Zwei Katzen in der Sitzhaltung der Bastet

Das mythische Katzenleben

Von Werkatzen, Katzenmenschen, Menschenkatzen und Winkekatzen: Wie unterschiedlich Mythen sein können, zeigt bereits ein kurzer Blick über den Grenzzaun nach Rumänien oder Ungarn.

Die Katze in der Schöpfungsgeschichte

Der ungarischen Version zur Folge, begann die Geschichte der Menschheit und die der Katzen mit Adam und Eva. Nachdem Gott die Erde, die Seen, Meere, Gebirge, Pflanzen und Tiere geschaffen hatte, formte er als sein eigenes Nachbild Adam. Allerdings passierte ihm ein Missgeschick, als er kurz darauf Eva kreieren wollte.

Die Ungarn behaupten, das Adams Rippe nur ursprünglich dazu dienen sollte, daraus Eva entstehen zu lassen. Eine Katze soll schneller als Gott gewesen sein, denn diese entriss ihm den Leckerbissen. Als sie flüchten wollte, konnte Gott sie gerade noch am Schwanz erwischen, der abbrach. Also nahm der Vater der Menschheit dieses Schwanzstück als Ersatz für die gestohlene Rippe und formte daraus Eva – was vielleicht erklärt, warum vorzugsweise Frauen ein so enges Verhältnis zu Katzen haben.

Bei den Rumänen geht die Geschichte genau umgekehrt. Im Land am Schwarzen Meer erzählt man sich, die Katze wäre als letztes aller Tiere entstanden, wozu sich eine Frau in das neue Lebewesen verwandelt hätte. Diese angeblich bildhübsche Jungfrau soll den Namen Kata getragen haben, weshalb die neue Schöpfung Katze genannt wurde.

Menschenkatzen im Alten Ägypten

Im Alten Ägypter glaubten Pharaonen, Hohepriester und das Volk, Menschenkatzen seien reale Wesen. Der sogenannte Ailuranthrop ist ein mythologisches Wesen, dass sich willentlich in eine bestimmte Katzenart verwandeln kann, ähnlich einem Werwolf – aber ohne Vollmond. Deshalb werden diese Wesen auch als Werkatzen bezeichnet. Dabei gibt es regional unterschiedliche Darstellungen von Menschenkatzen, Mannkatzen oder Frauenkatzen.

Exhibit in the Matsuoka Museum of Art – 5 Chome-12-6 Shirokanedai, Minato, Tokyo 108-0071, Japan.

Im vorchristlichen Ägypten ähnelten diese einer Ägyptischen Mau. Diese natürlich entstandene Katzenrasse wurde bereits durch Wandmalereien in Grabhöhlen im Tal des Todes, den Pyramiden und an Palästen vor über 4.000 Jahren dargestellt.

In einer leichten Abwandlung wird diese Samtpfote auch Bastet genannt. Die Bastet war im ägyptischen Glauben von großer Bedeutung, denn diese Katzengöttin galt als die leibliche und bildhübsche Tochter des Sonnengottes Re. Oft wurde die Bastet in Fresken dargestellt, es wurden Bronzen angefertigt und sie ist in alten Schriften zu finden. Einige der wertvollsten Stücke sind in den Ägyptischen Museen Berlin sowie München, im Louvre in Paris und im British Museum in London zu sehen.

Die Verehrung der Ägypter für die Kuscheltiger ging so weit, dass jemand der eine Katze tötete, selbst zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Obendrein wurde in der Stadt Bubastis ein unterirdischer Katzenfriedhof angelegt, wo alle verstorbenen Katzen aus ganz Ägypten beigesetzt wurden – aber erst, nachdem sie einbalsamiert worden waren.

Der britische Fantasy-Autor Terry Pratchett hat diese Verehrung der Katzen spruchreif gemacht: „In alten Zeiten wurden Katzen als Götter verehrt; Das haben sie nicht vergessen.“

Menschenkatzen in Indien und China

Aus Indien sowie China sind Abbildungen von Menschenkatzen halb Mensch, halb Tiger bekannt, während in Afrika mal der Löwe oder der Gepard, gelegentlich auch der Panther einen Teil der mystischen Gestalt stellt.

Bei den Maya war es der Jaguar, der gefürchtete lautlose Geist des Urwaldes, der bisweilen die Macht über einen Menschen und seinen Körper übernahm. Etliche Herrscher im Reich der Maya trugen die Bezeichnung Jaguar im eigenen Namen, genau wie einige der einflussreichsten Hohepriester dieser Epoche. Außerdem wurden Opferfeste und sportliche Wettkämpfe zu ehren der südamerikanischen Großkatze inszeniert.

Übrigens: Ein Ailuranthrop ist kein Katzenmensch. Mit diesem Begriff, der gerne zu Verwirrungen führt, werden Wesen beschrieben, die immer und ohne ihr Zutun eine Mischung aus Mensch und Katze sind.

Die Werkatze Sphinx

Zu den berühmtesten Werkatzen gehört zweifellos die Sphinx. Sie ist ein mit magischen Kräften ausgestattetes Halbwesen, wobei Mensch und Löwe in gleichen Teilen vertreten sind. Die Sphinx ist bei den alten Griechen weiblich. Der Legende nach lebte sie nahe Theben auf einem Berg. Die griechische Sphinx stellte Reisenden ein Rätsel, wollten sie passieren. Wer die Lösung nicht wusste, wurde von der hellenischen Sphinx erwürgt.

Wächtersphinx. Linke Tafel von einem Giebel, der dem Gebäude H in der Akropolis von Xanthos in Lykien um 460 v. Chr. zugeschrieben wird.

Der Sphinx ist bei den Ägyptern männlich und war ein stellvertretendes Symbol sowohl für den regierenden Pharao, als auch für den Sonnengott Re. Deshalb ist der Sphinx als Wachposten vor Gräbern, Palastbauten und an den Pyramiden von Gizeh zu finden.

Die Monsterkatze Bakeneko in Japan

Bei den Japanern ist seit Jahrtausenden und bis in die Gegenwart die mit magischen Kräften ausgestattete Bakeneko eine Monsterkatze, die gelegentlich auch als Pendant zu Poltergeistern als Geisterkatze auftritt. Hat diese japanische Katzengestalt einen gegabelten Schwanz, ähnlich der Zunge einer Schlange, dann ist von der Nekomata die Rede. Diese schlüpft bevorzugt in die Haut junger Mädchen. Dies ist offensichtlich ein Grund dafür, dass die Nekomata gerne in Mangas sowie Animes abgebildet wird, die beide bei Cosplayern überaus beliebt sind.

Nekomata (猫又) from the Hyakkai-Zukan (百怪図巻)

Die Kombination von Frau und Katze hat offensichtlich seit Urzeiten die Fantasie der Menschen angeregt. Aus Afrika, Südamerika und Südeuropa sind mehrere tausend Jahre alte Höhlenzeichnungen bekannt, in denen gewaltige Urkatzen und Frauen zusammen abgebildet sind.

Moderne Werkatzen und Katzenmenschen

Die modernsten Versionen von Werkatzen und Katzenmenschen sind mit Catwoman bei Marvel zu finden, genau wie in der Filmreihe X-Men, wo diese Wesen reihenweise in unterschiedlicher Gestalt auftauchen. Eine der neusten Kreationen ist Black Panther – der königliche Herrscher in einem verborgenen Land – irgendwo mitten in Afrika. Und sogar in die Kinderzimmer hat es die Katze mit menschlichen Allüren geschafft, wozu der Gestiefelte Kater das beste Beispiel ist!

Obendrein wird die Katze heute als Namensgeber und Verkaufsförderer für etliche Dinge genutzt, die ursprünglich wenig mit dem Stubentiger zu schaffen haben. Dazu gehören Kryptowährungen wie der Catcoin. Hundeliebhaber seien getröstet, es gibt auch einen Dogcoin. Eine himmlische Schlemmerei sind sogenannte Katzenzungen, die aus feinster Schokolade bestehen. Und das Katzentanzlied aus der Serie ‚The Big Bang Theory‘ wurde zum Ohrwurm, den sogar das Junggenie Sheldon pausenlos summt.

Die Winkekatze Maneki-neko

Seit etlichen Jahrzehnten ist eine ganz besondere Katze ein Verkaufsschlager in Asien. Die winkende Katze aus Gold, die mit einer Tatze nach dem Glück greift und Kunden heranwinkt, ähnlich einem ‚Wackeldackel‘ auf der Hutablage im Auto – Dieses japanische Glückssymbol fehlt in kaum einem Geschäft in Japan sowie China. Aber auch auf den Philippinen, in Hong Kong, Macao, in Malaysia oder in Cambodia gehört der meist goldene Glücksbringer zur Standardeinrichtung in Läden aller Art, denn ohne die winkende Katze, ohne die Maneki-neko neben der Kasse, laufen die Geschäfte schlecht – so zumindest der Aberglaube.

Über die Maneki-neko erzählen sich die Japaner eine landesweit bekannte Sage, die auch in den Schulen thematisch behandelt wird.

Dabei geht es um den reichen Fürsten Noatakai aus Hikone nahe Tokio, der in ein Unwetter geriet. Dieser stellte sich unter einen Baum, unweit eines Tempels. In diesem lebte ein Mönch mit einer dreifarbigen Katze, die er Tama nannte. In der japanischen Philosophie gelten dreifarbige Katzen seit jeher als Glücksbringer.

Tama saß am Tempel-Eingang und sah den Fürsten, über dem das Unwetter immer schlimmer wurde. Also erhob die Tempel-Katze ihr Pfote und winkte den Fürsten herbei. Dieser nahm in der Tat die Einladung an. Kaum bei der Katze angekommen, wurde der Baum von einem Blitz vollkommen zerstört, der zuvor dem Fürsten Schutz geboten hatte.

Zum Dank für die Rettung belohnte der Fürst den Priester, förderte den Tempel und dieser wurde binnen kurzer Zeit zum wohlhabendsten aller japanischer Tempel. Als Tama starb, wurde sie auf Weisung des Fürsten mit großem Zeremoniell und allen Ehren beigesetzt.
Seither gilt die Winkekatze, die Maneki-neko als Glücksbringer in Japan und hat sich inzwischen über fast ganz Asien ausgebreitet.

Begriffsklärung – ein Entwurf

Wer Spektakuläre Katzen sehen will, der begibt sich am besten auf Reisen! Wer diese Sichtungen katalogisieren will, der kann sich an folgenden Beschreibungen orientieren.

Ailuranthrop

Ein Ailuranthrop ist ein mythologisches Wesen, das sich willentlich in eine bestimmte Katzenart verwandeln kann.

Ein Ailuranthrop, wie auch die Werkatze, steuert die Veränderung, also die Gestaltwandlung willentlich. Diese wird beim Werwolf durch das Mondlicht ausgelöst – was beide grundlegend unterscheidet. Der Begriff Werkatze setzt sich aus dem alten Wort „Wer“ für Mann und eben dem Wort „Katze“ zusammen.

Inzwischen wohl unbestritten eine der berühmtesten Werkatzen trat in J.K. Rowlings Romanserie „Harry Potter“ auf. Dort zeigte an der Hogwarts Akademie für Hexen und Zauberer Professorin Minerva McGonagall, wie sich Frau elegant in eine Katze verwandelt.

Werkatze

Eine Werkatze ist ein Ailuranthrop, das sich in ein katzenähnliches Wesen verwandeln kann, also keine bestimmte Katzenart.
Es soll Werkatzen geben, die können zwar ihr Aussehen verändern, ihr Charakter, ihre Instinkte sind aber zu 100% menschlich.
Bei der Werkatze können der Charakter, das Wesen, die Instinkte die gesamte Gefühlswelt in die Umwandlung einbezogen sein, was aber eher selten der Fall zu sein scheint.

Zu den bekanntesten Werkatzen gehört zweifellos die Sphinx.

Katzenmensch

Der Katzenmensch ist immer teilweise Katze, teils Mensch und kann dies nicht selbst beeinflussen. Generell sind Katzenmenschen etwa hälftig geteilt. Manche haben „nur“ den Kopf einer Katze, dafür ist aber ihr Wesen deutlich katzenähnlicher, kaum menschlich.
Ist schwierig zu definieren, weil bei Katzenmenschen nicht nur das (teilweise) Aussehen, also die teilweise optisch Veränderung vorhanden ist. Es ist alles betroffen.

Zu den bekanntesten Katzenmensch gehört zweifellos die Superheldin aus den Marvel Comics – Catwoman. Die junge Grafikdesignerin viel in die Abwässer einer Kosmetikfabrik, was für ihre Verwandlung verantwortlich war. Catwoman selbst kann diese Veränderung ihres Aussehens, ihrer körperlichen Fähigkeiten und ihrer Instinkte nicht beeinflussen.

Einige Tausend Jahre älter ist die Tochter des ägyptischen Sonnengottes Re, die fast immer als Menschengestalt mit einem Katzenkopf dargestellt wird.

Menschenkatze

Menschenkatze und Katzenmensch sind 2 Worte für dieselbe Art von Wesen. Man verwendet sie, je nachdem welcher Teil im Vordergrund steht – wovon am meisten vorhanden ist.

Ebenfalls ist die Optik nur ein Teil der Mischung. Charakter und Instinkte können ebenfalls gemischt sein, was aber nicht zwingend ist. Allerdings wird in der Literatur die Menschenkatze entgegen dem Katzenmenschen als entartete Laune der Natur dargestellt oder mit einem Fluch in Verbindung gebracht. Demnach sind Menschenkatzen Wesen, bei denen sich nur das äußere Erscheinungsbild nachteilig katzenähnlich verändert.

Ein ebenso weltberühmtes Beispiel stammt aus der Fantasie-Schmiede Walt Disney, denn dort wurde in „Die schöne und das Biest“ der Prinz in eine hässliche, furchteinflößende Gestalt verwandelt, die deutliche Ähnlichkeit mit einem Löwen hat.

Dirk ist der Mann mit 7 Berufen; darunter auch Heilpraktiker, Psychotherapeut und Weltenbummler. Abenteurer in jungen Jahren, ebenso Tierbändiger (auch Hunde und Katzen), Reisejournalist und Buchautor. Der Vater lebt mit Hühnern, Truthähnen sowie Ananas und Bananen im Garten, wo sich auch ständig mindestens drei Katzen tummeln.

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